Die Entwicklung des Sepak Takraw

Der Ursprung
Die Ursprünge des Sepak Takraw sind in verschiedenen Kulturen, Bewegungsarten und Ballspielen zu suchen. Es wurde einerseits geprägt von den ersten Ballspielen aus Asien, wie z.B. dem Chuju und Kemari, und andererseits auch von den Bewegungen aus asiatischen Kampfsportarten. Interessant ist auch der Ansatz von Cuddon, der die Ursprünge auf die Zeit von 1500 v. Chr. datiert und in Mexikos Ballspiel Tlachtli sieht bei dem das Verliererteam den Göttern geopfert wurde.
Aus diesen antiken Ballspielen entstand dann das Sepak Raga Spiel, welches häufig vor Moschee- oder Tempelbesuchen zur allabendlichen Zerstreuung auf dem Dorfplatz gespielt wurde, und dadurch eine fester und wichtiger Bestandteil des dörflichen Sozialgefüges war.

Erste Ballspiele in Asien
Es gibt viele alte Spielkulturen in Asien, die schon eine lange Spieltradition aufweisen. Erste Überlieferungen des Sepak Raga in Malacca, Malaysia gehen bis ins fünfzehnte Jahrhundert zurück, wobei das Kemari in Japan gar auf eine längere Tradition zurückblickt.
“Earliest evidence shows that the game was played in Malacca (Melaka), Malaysia’s most historical city, in the 15 century, for it is mentioned in the famous Malay historical text, “The Sejarah Melayu” (Malay Annals).”
Erwähnung findet auch ein chinesisches Ballspiel mit dem Namen Chuju, welches auch mit dem Fuß gespielt wurde.
Dieses Spiel mit großer Ähnlichkeit zum Kemari oder Sepak Raga wurde anscheinend schon im Jahr 206 v. Chr. in Militärkreisen gespielt.

Kemari aus Japan und Chuju aus China
Das Kemari Spiel aus Japan entstand im sechsten Jahrhundert nach Christus aus dem Chuju, welches eine Art chinesisches Fußballspiel ist. „Ce jeu fut importé de Chine sous le règne de l’Empereur Yomei (585- 587).“ Das Chuju Ballspiel erlebte vor allem in der Han - Dynastie von 206 v. Chr. - 220 n.Chr. und in der Tang- Dynastie 618 - 907 n.Chr. seine Blütezeit.
“Another example of the impact of the Confucian ethics on traditional Chinese sport involves chuju, classical Chinese football. It was originally an aggressive competitive game, played by two opposing sides with two goals.”
Das Kemari Spiel hat einen geringeren Wettkampfcharakter als das Chuju. Dies lässt sich unschwer an der traditionellen Spielweise erkennen, wobei beim Kemari ein halb aufgepumpter Lederball von zwei bis zwölf Mitspielern, welche im Kreis stehen, so lange wie möglich in der Luft gehalten wird, und es Ziel des Spiels ist, so viele Ballberührungen wie möglich zu erreichen. Fällt der Ball auf den Boden, oder wird mit einem anderen Körperteil als dem Fuß gespielt, wird von neuem begonnen. Die ursprünglichste Teilnehmerzahl beträgt acht Mitspieler, jeder Mitspieler steht dabei für eine Himmelsrichtung: Nord, Nordost, Ost, Südost, Süden, Südwest, Westen, Nordwest. Das Kermari Spiel wurde anfänglich hauptsächlich von Priestern, Kaisern und Samurai an kaiserlichen Höfen gespielt, wobei der Priester über den Spielball zu wachen hatte. Also the warriors adopted Kemari, which was played by the nobles ( Wagner, Eric 1989, S.53 ). Das Spiel wird durch eine höfische Zeremonie eingeleitet, bei der das Spielfeld, - ein fünfzehn mal fünfzehn Meter großer Sandplatz, der von vier Bambusbäumen begrenzt wird -, vorher sorgfältig gerecht und gefegt wird.
“Danach segnet ein Priester den an einem Ahornzweig befestigten Ball und bittet die Götter um eine gute Ernte und Frieden für das Land. Die vier bis acht Mitspieler treten in farbenprächtigen Kimonos an und stellen sich im Kreis auf. Der nur halb aufgepumpte Lederball wird in die Mitte gelegt, wonach die Spieler sich für eine Konzentrationsübung auf den Boden setzen. Der Älteste beginnt das Spiel, indem er den Ball mit dem Fuß in die Luft schlägt.“
Beim Chuju hingegen spielten zwei Teams mit einem Ball, der aus einem mit Stoff gefüllten Tiermagen bestand, auf zwei Tore, - später auf ein Tor -, gegeneinander, um sich für kriegerische Auseinandersetzungen fit zu halten. Hierbei ging es vor allem um den Sieg, wohingegen es beim Kemari keine Gewinner und Verlierer gibt, sondern das freundschaftliche Miteinander im Vordergrund steht.
“The history of sports is full of other examples of ludic diffusion. The classical Japanese ritual game of Kemari was introduced into eighth- century Japan by the Chinese, from whom the Japanese borrowed numerous elements of culture with an apparent minimum of ethnocentric resistance.“
Ein weitere wichtiger Unterschied zwischen dem Kemari und dem Chuju besteht darin, dass das Kemari Spiel bis heute in seiner ursprünglichen Spielform noch gespielt wird, wohingegen das traditionelle Chuju Spiel in der heutigen Zeit nicht mehr existiert.

Sepak Raga in Südostasien
Das Sepak Raga Spiel blickt auf eine lange Tradition in Asien zurück. Es wurde, und wird in manchen Teilen Asiens heute noch, mit den handgemachten Bällen aus geflochtenem Rattan gespielt. Der Ball darf mit Ausnahme der Hände und Arme mit allen Körperteilen gespielt werden, wobei es Ziel des Spiels ist, den Ball nicht auf den Boden fallen zu lassen. Die nicht festgelegte Zahl der Spieler, meist zwischen drei und sechs, stellen sich in Kreisform auf und spielen ungeachtet ihres Alters oder ihrer gesellschaftlichen Position miteinander.
“Im Mittelpunkt steht das Spielgerät: ein aus Rattan geflochtener Ball.....Dieser Ball wird auch heute noch in Handarbeit aus einheimischem Material, dem Rattan erstellt...Die Möglichkeit, einen Spielball aus heimischen Gewächsen ohne technische Hilfsmittel zu produzieren, stellt neben den soziokulturellen und ethnischen Bedingungen die entscheidende Grundlage für das Spiel dar.“
Wer zuerst Sepak Raga spielte ist dennoch ungewiss, da jedes ostasiatische Land seine eigene Entstehungsgeschichte hat, die sich über Jahrhunderte entwickelte und dadurch unmöglich zu rekonstruieren ist. Sepak Raga hat sich weit verbreitet im südostasiatischen Raum, so dass sich verschiedene Namen für das Spiel in den diversen asiatischen Ländern etabliert haben:

Singapore: “Bola Sepak Raga”,”Sepakraga”
Malaysia: “Sepak Raga Jaring“, “Sepraja“
Brunei: ”Sepak Raga Jala”
Indonesia: “Rago“ (Sulawesi Selatan)
P.R. China: “Teng Chew”
Burma: “Ching Loong“
Ceylon: “Raga”
Laos: “Kator“
Philippinen: “Sipa“
Thailand: ”Takraw”.

Die erste offizielle Erwähnung des Sepak Raga Spiels datiert aus dem fünfzehnten Jahrhundert in Malaysia. Ein weiterer interessanter Hinweis zur Entstehung des Sepak Raga stammt aus einer indonesischen Überlieferung:
“Eine andere Definition stammt aus Süd- Sulawesi, wo das Spiel noch heute am meisten gepflegt wird... Nach einer Sage ging ein verliebter Prinz, der seine Angebetete nicht heiraten durfte, in den Wald, um seine Seele zu trösten. Er bastelte sich einen Ball aus Rattan und spielte ihn mit dem Fuß. Seitdem wurde ein Adliger von seinem Volk nur anerkannt, wenn er neben dem Kriegshandwerk auch die Kunst des Raga- Spiels beherrschte."
Zudem gibt es noch eine weitere Erwähnung des Sepak Raga, auch Kasipa oder Sipa genannt auf den Philippinen:
“A game or dance using a woven rattan ball is thought to have existed prior to 1380.Kasipa or sipa or sipa takraw as it is called today involved keeping the ball aloft by kicking. The purposes and rules for kasipa varied. It was an important feature of coronations of new sultans, courtship, weddings and fiestas.“
Sepak Raga ist kein Wettkampfspiel, wie das daraus entstandene Sepak Takraw, sondern es ist ein geselliges Miteinander, bei dem es nicht darum geht Punkte zu machen, sondern Ziel des Spiels ist es, wie beim Kemari, den Ball so lange wie möglich in der Luft zu halten.
Des Öfteren werden auch die Anzahl der Ballberührungen gezählt, aber in erster Linie geht es um die Zerstreuung nach verrichteter Arbeit, oder darum, die Zeit bis zum Moschee- bzw. Tempelbesuch zu überbrücken.
Entscheidend beim Spiel sind gelungene Interaktionen und die Verständigung der Spieler untereinander. Für Spieler und Zuschauer gleichermaßen wichtig ist die Harmonie der Bewegung, der Spielfluß, die Variationsbreite der Bewegungsformen, der Tempowechsel und natürlich die Anzahl der ununterbrochenen Ballkontakte. Dominierend sind künstlerisch - tänzerische, aber auch akrobatische Bewegungsformen und Fertigkeiten. Diese Effekte des Spiels werden untermalt und betont durch traditionelle Musikinstrumente wie Flöte, Gong oder Trommel. Die Wartezeit vertrieb man sich mit dem geschilderten Raga- Spiel, weil nach der anstrengenden Feldarbeit in tropischer Hitze kein bewegungsintensives Spiel gewünscht war, sondern eines, das auf Zerstreuung, Leichtigkeit und Geselligkeit ausgerichtet war. Das Raga- Spiel spiegelt in seinen Interaktionsstrukturen wichtige Prinzipen der traditionellen Dorfgemeinschaft wider: Kooperation, Solidarität, Geschlossenheit.
Neben den oben angesprochenen Punkten, wie z. B. der eigenen Herstellung des Spielgerätes aus heimischem Material, oder der großen Beliebtheit in den reicheren Bevölkerungsschichten sind noch weitere Gründe, die eine weite Verbreitung möglich machten, aufzuführen.
Wie pencak silat soll auch sepak raga ursprünglich ein Adelsspiel gewesen sein, das erst allmählich in die unteren Volksschichten vordrang (Eichberg 1986). Bemerkenswert sind aber neben der nicht festgelegten Spielerzahl auch die geringen Grundvoraussetzungen, die erfüllt werden müssen, um Sepak Raga spielen zu können. Es werden weder ein Spielfeld, noch andere Utensilien außer dem Spielball benötigt und man kann sowohl in der Halle als auch draußen spielen. Es genügt einen relativ ebenen, mittelgroßen Platz zu haben, der wenigstens zehn Quadratmeter beträgt.
“Sepakraga, the Indonesian version, is more of a cooperative game or athletic demonstration than a competitive contest. Played individually or....., the aim is to be as ingenious as possible in hitting the ball- movements should be graceful, attractive and beautiful- with any parts of the body except the hands. When the game is played by a group each person takes a turn in contacting the ball. Sepakraga can be played outdoors or indoors and can be performed on a stage as part of a public ceremony.“

Der traditionelle Charakter des Sepak Raga Spiels äußert sich auch durch die Vorführung bei sämtlichen Feierlichkeiten, wie z.B. dem Neujahrsfest:
“The first mention of ‘football‘ being played in Singapore was made in The Singapore Free Press on 3 January 1839, in the discriptions of the New Year day celebrations, but this clearly referred to the traditional Malay game of Sepak Takraw.“
Es deutet alles darauf hin, daß die Malaien Sepak Raga und nicht das im 20. Jahrhundert erfundene Sepak Takraw am Neujahrstag spielten, da Sepak Takraw zu dieser Zeit noch gar nicht existierte und Sepak Raga bei jeglichen Festivitäten einen festen Platz bei den traditionellen Spielen einnimmt.
“Fundamentally, in traditional Malay games and recreations, team sports were largely unfamiliar, apart from the popular sepak bola tangkis (also known as sepak raga or sepak takraw, played with a rattan ball).“
Bei einem Vergleich mit anderen traditionellen Sportarten aus Malaysia, wie z.B. dem Hahnen- oder Stierkampf, dem pencak silat (einer Form der Selbstverteidigung) und den Wassersportarten, wie dem Langbootrennen oder dem Tauchen, fällt auf, daß Sepak Raga und Sepak Takraw die einzigen Mannschaftssportarten unter den traditionellen Spielen sind.

Wie wurde Sepak Raga zu Sepak Takraw?
Das Netz, der Court und die kompetitive Form kamen irgendwann in den 20er oder 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ins Spiel. Zu dieser Zeit war Malaysia unter britischer Kolonialherrschaft. Die Briten brachten mit ihrer Kultur natürlich auch ihre Sportarten mit ins Land: Badminton, Tennis, Hockey, Cricket und Golf. Unter jungen Malaien war Sepak Raga jedoch nach wie vor populär - die Sportarten der Briten waren sowieso nur etwas für die gehobeneren Schichten. Dennoch waren sie bekannt, und das muss ein paar junge Männer eines Tages auf die Idee gebracht haben, ihr traditionelles Spiel einmal auf einem Badmintonfeld über das Netz zu spielen. Da lag es nahe, zwei Mannschaften zu bilden, also statt sechs bis sieben Spielern im Kreis nun drei Spieler auf jeder Seite. Es existiert auch eine Anekdote, nach der das Spiel zum ersten Mal während der Feierlichkeiten zum Silberjubiläum George V. gespielt worden wäre und aus diesem Grund "Sepak Raga Jubilee" benannt wurde. Das Spiel wurde in jedem Fall schnell beliebt, da es spannender war und die Sportler wesentlich mehr forderte als das alte Kreisspiel.

Bis zu den international festgelegten Regeln, die heute für alle Turniere gelten, war es allerdings noch ein weiter Weg. Lange Jahre wurde das Spiel in dieser Form mit allerlei unterschiedlichen Regeln gespielt, die von Ort zu Ort variierten. Es sah deswegen nicht danach aus, dass Sepak Takraw sich gegen die zunehmend in Asien Fuß fassenden westlichen Sportarten würde durchsetzen können. Immerhin wurde in Singapur eine Form des Sepak Takraw schon an den Highschools gespielt, und nach dem Krieg wurde ebenfalls in Singapur die erste Sepak-Takraw-Vereinigung gebildet: The Singapore National Body Of Sepak Takraw (PARSES). 1945 fand das erste Turnier in Penang statt, das auf große Begeisterung beim Publikum stieß. PARSES legte 1960 nach langen Verhandlungen zusammen mit neu gegründeten Organisationen in Thailand und Malaysia einheitliche Regeln und den Namen "Sepak Takraw" fest. 1965 wurde die ASTAF gegründet, die Asian Sepak Takraw Federation. Nach einigem Hin und Her wurde Sepak Takraw schließlich 1990 fester Bestandteil der elften Asian Games in Peking. Im Zuge dieser Internationalisierung kam auch die Standardisierung, und der fiel der handgewobene Ball aus Rattan zum Opfer, dessen Maße sich nicht genau festlegen lassen.

Neben den verschiedenen Organisationen der einzelnen Länder gibt es seit 1990 auch eine internationale, die ISTAF, deren Ziel es ist, das Spiel mit groß angelegten Kampagnen bekannt zu machen und schließlich zu erreichen, dass es zur olympischen Sportart wird. Seither gewinnt das Spiel in vielen Ländern stetig an Popularität, z.B. in den USA, Australien, Finnland, Kanada, Großbritannien und Ägypten.
Auch in Deutschland fand Sepak Takraw seine Anhänger. Inzwischen gibt es 6 Vereine (Köln, Hamburg, Berlin, Kiel, Bamberg und Heidelberg) und ca. 100 aktive Spieler. Die Nationalmannschaft, die sich aus den besten deutschen Spielern zusammensetzt hat bereits 7 mal an der jährlichen Weltmeisterschaft in Thailand teilgenommen.